Triptychon: „Die Religionspolitik der französischen Krone, 1560-1572“, Buntstift auf Karton, 56×71 cm, 90×70 cm, 56×71 cm, 2026. Das Triptychon thematisiert die Religionspolitik der französischen Krone von der Beginn der Regentschaft Catherine de Medicis bis zur Bartholomäusnacht.


Linke Tafel

Links // Antoine de Bourbon, Herzog von Vendõme, Titularkönig von Navarra (1518-1562) wechselte auf massiven Druck des Vatikans und Spaniens um 1561 vom reformatorischen zurück ins katholische Lager.
Mitte // Jeanne d’Albret, Königin von Navarra (1528-1572), war Antoine de Bourbons Ehefrau und bis zu ihrem Tod überzeugte Hugenottin. Sie war die Tochter von Marguerite de Navarre (1492-1549), einer hochgebildeten Schriftstellerin, Mäzenin, Förderin der Reformation und Schwester des Königs François I. von Frankreich (1494-1547). Jeanne d’Albret war damit dessen Nichte.
Oben // Henri de Navarre (1553-1610), Sohn Jeanne d’Albrets und Antoine de Navarres, war später als Henri IV. der erste Bourbonenherrscher auf dem französischen Königsthron.
Rechts // Louis I. de Bourbon, Prinz von Condé (1530-1569), war der Bruder Antoine de Navarres und seit 1559 militä​ri​scher Anführer der Hugenotten bis zu seinem Tod in der Schlacht bei Jarnac.

Mittlere Tafel

Links // Der Admiral Frankreichs, Gaspard II. de Coligny (1519-1572) avancierte nach dem Tod des Prinzen von Condé im Jahr 1569 zum Anführer der Hugenotten.
Mitte // Catherine de Médicis (1519-1569) war die Witwe des Königs Henri II., und Mutter von François II. (1544-1560), Charles IX. (1550-1574) und Henri III. (1551-1589). Sie war von 1560 bis 1563 Regentin für ihren Sohn Charles und hatte auch nach dessen Volljährigkeitserklärung 1563 (dieser war da erst 13 Jahre alt) großen Einfluss auf die Regierungsgeschäfte. Sie war, wenn auch aus machtpolitischen Gründen, bemüht um eine Politik des Ausgleichs zwischen den religiösen Parteiungen und eine hochgebildete, diplomatisch versierte Frau.
Rechts // Kardinal Charles de Lorraine-Guise (1524-1574) machte zusammen mit seinem Bruder, François de
Lorraine, dem zweiten Herzog von Guise (1519-1563), seinen Einfluss wider die Calvinisten geltend.

Rechte Tafel

Links // König Philipp II. von Spanien (1527-1598) war ein überzeugter Verfechter des Katholizismus. Er versuchte, die frz. Krone zu einem harten Kurs gegen die Hugenotten zu bewegen und bot dafür sogar Truppen an.
Rechts // Papst Pius IV. (1499-1565) übte direkt und über Dritte Druck auf die frz. Krone aus, damit diese gewaltsam gegen die Hugenotten vorgehe. Er bot dafür u.a. militärische Hilfe an. Dieser Kurs wurde von seinen Nachfolgern beibehalten. Das belegt u.a. diplomatische Korrespondenz des Vatikans, Frankreichs und Spaniens.


Als der französische König Henri II. (1519-1559) im Juli 1559 starb, hinterließ er drei minderjährige Söhne, zwei Töchter und seine Witwe Catherine de Médicis (1519-1589), was keine optimale Situation für die Stabilität eines Reiches war, in dem die Erbfolge nur in männlicher Linie weitergegeben wurde. Doch nicht nur das. Die Reformation, die in den Jahrzehnten vor 1559 immer stärker in Frankreich Fuß gefasst hatte und deren Lehren auch von Mitgliedern mächtiger Adelsfamilien aufgenommen wurden, attackierte die Idee eines im Katholizismus geeinten Frankreichs, was für die katholische Krone bedrohlich war. 1560 hingen in Frankreich etwa 10% der Gesamtbevölkerung und ein Drittel der Adligen der Reformation an.1 Sie gehörten überwiegend dem reformierten Glaubensbekenntnis an, das zum großen Teil auf Jean Calvin (1509-1564) zurückgeht. In Frankreich wurden die Reformierten ab ca. auch 1560 Hugenotten genannt.
Zu dem konfessionellen Problem kam hinzu, dass die bereits bestehende Rivalität zwischen Familien des Hochadels nun auch auf einer religiösen Ebene ausgetragen wurde; die Fraktionen formierten sich durch die Bildung religiöser Parteiungen neu.2 Das war für die Stabilität Frankreichs ebenso nachteilig wie das Ringen der diversen Adelsfamilien um Einfluss im Kronrat (1559-1572), ein Bereich, in dem auch unablässig spanischer und päpstlicher Druck ausgeübt wurde.3 Dazu kam noch eine finanzielle Krise, da die Krone hoch verschuldet war.

Mit dem Tod von Henris ältestem Sohn François II. (1544-1560) am 5.12.1560, während dessen Herrschaft die Adelsfamilie der Guise großen Einfluss auf die französische Politik hatte, änderte sich die religionspolitische Ausrichtung Frankreichs. Die Regentschaft für den ebenfalls minderjährigen Charles IX. (1550-1574) hatte nun dessen Mutter inne, zusammen mit Antoine de Bourbon (1518-1562), dem König von Navarra, einem Prinzen von Geblüt.4 Catherine distanzierte sich gleich zu Anfang ihrer Regentschaft vom Haus Guise und dessen gegen die Hugenotten gerichteten Führungsstil. Stattdessen setzte sie auf eine Politik der Milde und begrenzter Duldung gegenüber letzteren. Bei dieser Politik wurde sie von dem politisch gemäßigten Katholiken Michel de l’Hôpital (1505-1573) unterstützt, der von 1560 bis 1568 Kanzler war. Aber auch namhafte katholische Würdeträger und etliche Vertreter des Adels befürworteten sie. Dies geschah während ihrer Regentschaft 1560-1563, aber auch nach Charles‘ Volljährigkeitserklärung 1563, bei der dieser erst 13 Jahre alt war, weshalb sie weiterhin enormen politischen Einfluss besaß.

Bei Catherine schien aufgrund der aus der Unterdrückung der Reformation resultie​renden Unzufriedenheit des Adels schon ab Anfang März 1560 ein Umdenken eingesetzt zu haben, weshalb sie einen veränderten Umgang mit den Hugenotten erwog.5 Die Gründe waren vielfältig: Verfolgung und Unterdrückung hatten die Ausbreitung des reformatorischen Gedankengutes nicht verhindern können, schrieb Cathérine 1561.6 Die konfessionellen Konflikte schwächten das Reich. Auch brauchte sie die Unterstützung der mächtigen hugenottischen Adelsfamilien und der moderaten Katholiken als Gegengewicht zu den Machtansprüchen der Guise, welche Catherine bei ihrer Politik der Milde nicht unterstützen wollten und selber Ansprüche auf den französischen Thron erhoben.7
Auch wenn Catherine sich den Guise zeitweise annäherte, sah sie in diesen für den Machterhalt ihrer Söhne eine größere Gefahr als die Hugenotten, weshalb eine Annäherung an den hugenottischen Admiral Gaspard II. de Coligny (1519-1572) für die Regentin politisches Kalkül war.8 Auch hatte Catherine ein ambivalentes Verhältnis zu den beiden Guise-Brüdern Kardinal Charles de Lorraine-Guise (1524-1574) und Herzog François de Lorraine (1519-1563) und wollte nicht von ihnen abhängig werden, schon gar nicht durch einen Krieg.9 Genau das sei aber das Kalkül der Guise, schrieb Catherine 1561 an ihre Tochter Elisabeth de Valois (1545-1568).10 Diese hatte König Philipp II. von Spanien geheiratet, ein Ehebündnis, dass den 1559 geschlossenen Frieden von Cateau-Cambrésis zwischen Frankreich und Spanien sichern sollte.

Wenn nun die französische Krone versuchte, eine Politik des Ausgleichs gegenüber den Reformierten zu fahren, hieß dies nicht, dass sie aus einem modernen Toleranzbegriff heraus handelte.11 Auch zielte ihr Vorgehen nicht auf eine dauerhafte Duldung oder Etablierung der Hugenotten in Frankreich ab, sondern nur auf eine zeitweise. Denn langfristig wollte sie letztere wieder dem katholischen Glauben zuführen. Catherine war im Gegensatz zu Henri II. und François II. jedoch entschlossen, jene religiöse Einheit mit friedlichen Mitteln herbeizuführen.12
Diese Politik brachte ihr von gewissen Gruppen inner- und außerhalb Frankreichs eine starke Gegenreaktion ein,13 die im Herbst 1561 einen vorläufigen diplomatischen Höhepunkt erreichte.14 Da Catherine ihre Linie weiterführte, hielten auch der Widerstand und Argwohn ihr gegenüber an. Besonders seitens des Vatikans, Spaniens und einiger kompromissloser katholischer Parteiungen innerhalb Frankreichs erfolgten immer wieder Versuche, ihre Politik zu konterkarieren und die Krone zu einem härteren Vorgehen gegenüber den Hugenotten zu bewegen, bis hin zur Bartholomäusnacht am 24.8. 1572.

Als Charles IX. am Vorabend des 24.8. 1572 den Befehl zur Tötung führender protestantischer Adliger gab, war dies der Auftakt dazu. Gemäß den offiziellen Aussagen des Königs planten jene »bösartige« Verschwörung gegen die Krone und den Staat.15 Diese hatte nie nachgewiesen werden können, aber die Gerüchte darüber wurden vor dem 24.8. massiv gestreut, evtl. um den König zu diesem Schlag zu bewegen. Das Massaker beschränkte sich jedoch nicht auf die reformierte Führungselite, sondern erstreckte sich auch auf die anderen in Paris weilenden Hugenotten. Diese waren anlässlich der Hochzeit des hugenottischen Königs Henri de Navarre (1553-1610), des späteren Henri IV. von Frankreich, sowie Charles‘ IX. jüngerer Schwester Marguerite de Valois (1553-1615) nach Paris gekommen. Danach dehnte sich das Töten auf viele Provinzen aus, so dass insgesamt Tausende Hugenotten umkamen, etliche Zeitgenossen schrieben von Zehntausenden.16 (Copyright Text: Tina Eißner)


  1. Jean-François Solnon, Catherine de Médicis, Paris 2009, S. 432. ↩︎
  2. Stuart Caroll, »Nager entre deux eaux«. The Princes and the Ambiguities of French Protestantism, in: The Sixteenth Century Journal 44 (Winter 2013), H. 4, S. 985-1020, hier S. 993. ↩︎
  3. Nicola M. Sutherland, The Massacre of St. Bartholomew and the European Conflict 1559-1572, London 1973, S. 3f. ↩︎
  4. Prinzen von Geblüt waren während der französischen Monarchie alle Angehörigen des königlichen Geschlechts der Kapetinger im Mannesstamme, traditionell sogar nur die Nachkommen König Ludwig des IX. In Frankreich galt das Salische Gesetz, wonach die Thronfolge nur in rein männlicher Linie vererbt werden konnte. ↩︎
  5. Christian Wenzel, »Ruine d’estat«. Sicherheit in den Debatten der französischen Religionskriege 1557-1589 (Pariser historische Studien, Bd. 116), Heidelberg 2020, S. 131. ↩︎
  6. Hector de La Ferrière / Gustave Bagenault de Puchesse (Hg.), Lettres de Cathérine de Medici, Bd. 1 (Collection de Documents inédits sur l’Histoire de France), Paris 1880, S. 577, Cathérine an L’Aubespine, 31.1.1561. ↩︎
  7. Heinz Schilling, Konfessionalisierung und Staatsinteressen. Internationale Beziehungen 1559-1660 (Handbuch der Geschichte der internationalen Beziehungen, Bd. 2), Paderborn 2007, S. 267. ↩︎
  8. Ernst Hinrichs, Renaissance, Religionskriege und Begründung der absoluten Monarchie (1498-1661), in: Ernst Hinrichs (Hg.), Kleine Geschichte Frankreichs, Stuttgart 2008, S. 125-185, hier S. 154. ↩︎
  9. Sutherland, Massacre, S. 11f., 14. ↩︎
  10. La Ferrière, Lettres 1, S. 582, Catherine an ihre Tochter Elisabeth de Valois, März 1561. ↩︎
  11. Siehe auch Markus Reinbold, Jenseits der Konfession: Die frühe Frankreichpolitik Philipps II. von Spanien 1559-1571 (Beihefte der Francia, Bd. 61), Ostfildern 2005, S. 86. ↩︎
  12. Klaus Malettke, Katharina von Medici: Frankreichs verkannte Königin, Paderborn 2020, S. 165. ↩︎
  13. La Ferrière, Lettres 1, S. 586f. ↩︎
  14. Sutherland, Massacre, S. 13ff. ↩︎
  15. Siehe François Bonnardot, Registres des délibérations du bureau de la ville de Paris, Bd.7 (Histoire générale de Paris. Collection de documents publiée sous les auspices de l’édilité parisienne), Paris 1893, Nr. 17, S. 10f. ↩︎
  16. Philipp Joutard u.a., La Saint-Barthélemy, ou les résonances d’un massacre, Neuchâtel 1976, S. 68. ↩︎